Jerome wachte mitten in der Nacht auf. Das war ungewöhnlich, denn sonst war er es, Jerome, der immer durchschlief und Yolanda die sich immer im Bett wälzte. Yolanda, die nur kurz tief durchatmete, drehte sich ab und schlief weiter. Nun lag er da und begann nachzudenken. Die Gedanken pendelten von der Arbeit die ihn momentan beschäftigte, zu den letzten Feiertagen, die aussergewöhnlich erholsam waren. Plötzlich störte ihn, dass die Fenster, die schrägen Dachfenster, geschlossen waren. Er schlief nach Möglichkeit immer gerne mit frischer Luft. So stand er kurz auf und nahm sich die Gelegenheit aus dem Gedankenkarussell auszubrechen. Jerome schaute durch den kleinen Schlitz hinaus und beobachtete kurz was sich im Quartier in der Dunkelheit abspielte. Er sah der Schatten einer Katze die unter der Strassenlaterne durchhuschte. Da war noch das rauschen vereinzelter Fahrzeuge von der entfernteren Hauptstrasse. Er begab sich wieder ins Bett. Unentwegt musste er auf die abgeschrägte Dachfläche schauen unter der er und Yolanda lag. Fünf Lichtflächen, schmale Schlitze, reflektierten auf der Holzdecke. Zwei waren versetzt und leuchteten ziemlich stark. Drei waren schwächer und matt. Die Dachschräge trennte Innenseite von Aussenseite. Irgendwie irritierte ihn das. Da war doch nur eine Öffnung und gleichwohl gab es fünf Abbilder. Es mussten also fünf Lichtquellen direkt Moneygram money order durchs Fenster leuchten. Das Ganze liess ihn an Platons Höhlengleichnis erinnern. Der Dachfensterschlitz, die Öffnung zur Aussenwelt war so zu sagen der Höhleneingang. Fünf Aussenlichter glichen fünf unabhängigen Instanzen. War das Daunendeckenphilosophie oder war in der Nacht mehr Freiheit im Denken erlaubt. Wieder bewegte sich Yolanda kurz. Wachte sie etwa auch auf? Das wollte er vermeiden da ihm die Gedankengänge gefielen und er nicht gestört werden wollte. Jerome schaute auf den Wecker. Eigenartig. Er lag nun bereits Dreiviertelstunden wach. Die Augen waren immer noch offen. Wie war das schon wieder mit Platon? Die Wirklichkeit des Lebens spielt sich vor der Höhle ab und das Selbst erfährt nur die Projektion, das Abbild der Wirklichkeit. Er wusste nicht, ob er sich ab den Gedankenspielen freuen sollte oder ob seine Schlaflosigkeit Grund zur Sorge bot.
MS
